Ein Auslandseinsatz verändert nicht nur den Alltag, sondern häufig auch die finanzielle Ausgangslage. Steuern, Vorsorge, Versicherungen, Immobilien und Anlagen müssen plötzlich unter anderen Voraussetzungen beurteilt werden als bei einem gewöhnlichen Wohnsitz in der Schweiz.
Besonders tückisch: Was in der Schweiz normalerweise finanziell sinnvoll ist, kann während eines Auslandseinsatzes deutlich weniger attraktiv sein – oder im Einzelfall sogar zum Nachteil werden.
Deshalb lohnt es sich, einige Entscheidungen nicht einfach nach bekannten Faustregeln zu treffen.
1. Säule 3a und PK-Einkäufe: Steuerersparnis zuerst berechnen
«In die Säule 3a einzahlen spart Steuern.»
«Ein Einkauf in die Pensionskasse reduziert das steuerbare Einkommen.»
Grundsätzlich stimmen beide Aussagen. Während eines Auslandseinsatzes ist aber entscheidend, wie hoch die tatsächliche Steuerersparnis überhaupt ist.
Bei Bundesbediensteten, die aufgrund ihres Arbeitsverhältnisses mit der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Ausland tätig sind, unterliegt das entsprechende Erwerbseinkommen in der Schweiz der direkten Bundessteuer. AFC
Damit kann sich eine ganz andere Ausgangslage ergeben als bei einer Person, die in der Schweiz zusätzlich Kantons- und Gemeindesteuern bezahlt.
Warum das wichtig ist
Der Vorteil einer 3a-Einzahlung oder eines PK-Einkaufs entsteht zunächst durch den Abzug vom steuerbaren Einkommen.
Ist die effektive Steuerbelastung zum Zeitpunkt der Einzahlung vergleichsweise tief, fällt entsprechend auch die unmittelbare Steuerersparnis kleiner aus.
Gleichzeitig darf die andere Seite der Rechnung nicht vergessen werden: Das Vorsorgekapital wird später beim Bezug besteuert.
Kapitalleistungen aus der Säule 3a werden steuerlich separat vom übrigen Einkommen behandelt. Bei Personen mit Wohnsitz im Ausland können zudem Quellensteuer und das jeweilige Doppelbesteuerungsabkommen eine Rolle spielen.
Deshalb sollte man nicht einfach fragen:
«Wie viel kann ich einzahlen?»
Sondern:
«Wie viel Steuern spare ich heute – und welche Steuern entstehen voraussichtlich beim späteren Bezug?»
Unser Tipp: Bei einem Auslandseinsatz Säule 3a und grössere PK-Einkäufe nicht aufgrund einer allgemeinen Steuerregel tätigen. Lassen Sie zuerst die tatsächliche Steuerersparnis berechnen und stellen Sie diese der voraussichtlichen Besteuerung beim Bezug gegenüber.
Gerade hier kann eine auf den ersten Blick «steuersparende» Entscheidung deutlich weniger attraktiv sein als erwartet.
2. Versicherungen: Was passiert finanziell, wenn wirklich etwas passiert?
Bei Versicherungen sollte die Frage nicht lauten:
«Bin ich möglichst umfassend versichert?»
Sondern:
«Welche Ereignisse würden meine Familie oder mich finanziell ernsthaft gefährden?»
Eine zerbrochene Brille oder ein gestohlenes Mobiltelefon sind ärgerlich, aber für die meisten Haushalte finanziell verkraftbar.
Eine langfristige Erwerbsunfähigkeit, ein Todesfall oder hohe ungedeckte Gesundheitskosten können dagegen existenzielle Folgen haben.
Bei einem Auslandseinsatz sollte deshalb konkret geprüft werden:
Welche Leistungen erbringt der Arbeitgeber bei Krankheit, Unfall, Invalidität und Tod? Welche bestehenden Schweizer Versicherungen gelten auch im Einsatzland? Welche Deckungen bestehen bereits über den Arbeitgeber? Und welche finanziellen Verpflichtungen würden für die Familie weiterlaufen – etwa Hypothek, Ausbildung der Kinder oder andere laufende Kosten?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich beurteilen, ob tatsächlich eine Versicherungslücke besteht.
Faustregel: Kleine finanzielle Risiken kann man häufig selbst tragen. Risiken, die die eigene finanzielle Existenz gefährden könnten, sollten gezielt abgesichert werden.
3. Immobilie in der Schweiz: Vermieten verändert die Rechnung
Wer für mehrere Jahre ins Ausland zieht und Wohneigentum in der Schweiz besitzt, steht häufig vor der Frage:
Verkaufen, leer stehen lassen oder vermieten?
Bei einer Vermietung reicht es nicht, einfach die erwarteten Mieteinnahmen der Hypothek gegenüberzustellen.
Zur Rechnung gehören beispielsweise auch Unterhalt, Verwaltung, mögliche Leerstände, Renovationen, Versicherungen und die steuerliche Behandlung der Immobilie.
Hinzu kommt die strategische Frage: Was geschieht mit der Immobilie bei der Rückkehr in die Schweiz?
Soll sie wieder selbst bewohnt werden? Könnte sie vorher verkauft werden? Oder soll sie langfristig als Renditeobjekt gehalten werden?
Diese Überlegungen sind besonders wichtig, wenn gleichzeitig eine Hypothek verlängert werden muss.
4. Hypothek: Der tiefste Zinssatz ist nicht immer die günstigste Lösung
Eine zehnjährige Festhypothek mit attraktivem Zinssatz kann zunächst hervorragend aussehen.
Aber stellen Sie sich vor, Ihr Auslandseinsatz endet früher als erwartet und Sie möchten die Immobilie verkaufen.
Dann kann die fehlende Flexibilität plötzlich teuer werden.
Vor einer Verlängerung sollte deshalb nicht nur der aktuelle Zinssatz verglichen werden, sondern mindestens:
Zins – Laufzeit – Flexibilität – mögliche Rückkehr – möglicher Verkauf – Amortisationsstrategie.
Auch die Entscheidung zwischen SARON und Festhypothek sollte nicht aufgrund einer Prognose getroffen werden, welcher Zinssatz in zwölf Monaten höher oder tiefer sein könnte.
Wichtiger ist die Frage, welches Zinsrisiko Sie finanziell tragen können und wie viel Flexibilität Ihre persönliche Situation benötigt.
Gerade bei Personen im Ausland kann eine etwas flexiblere Finanzierung unter Umständen wertvoller sein als der auf den ersten Blick tiefste Zinssatz.
5. Liquidität: Wie viel Geld gehört tatsächlich aufs Konto?
Ein Auslandseinsatz bringt Unsicherheit mit sich. Deshalb ist eine ausreichend grosse Liquiditätsreserve besonders wichtig.
Zu viel Liquidität kann langfristig allerdings ebenfalls problematisch sein.
Denn CHF 100’000 auf einem Konto bleiben nominell CHF 100’000. Was man damit kaufen kann, verändert sich jedoch durch die Inflation.
Deshalb bietet sich eine einfache Aufteilung an:
Kurzfristiges Geld: Reserve für unerwartete Ausgaben sowie geplante grössere Anschaffungen der nächsten Jahre.
Langfristiges Geld: Kapital, das voraussichtlich über viele Jahre nicht benötigt wird.
Für den ersten Teil stehen Sicherheit und Verfügbarkeit im Vordergrund. Beim zweiten sollte zusätzlich der langfristige Kaufkrafterhalt berücksichtigt werden.
Es geht also nicht darum, «möglichst viel zu investieren». Es geht darum, jedem Teil des Vermögens eine klare Aufgabe zu geben.
6. Anlagen: Erst das Ziel, dann das Produkt
Eine der häufigsten Fragen in der Finanzberatung lautet:
«Wo soll ich mein Geld investieren?»
Die bessere erste Frage wäre:
«Wann und wofür brauche ich dieses Geld?»
Nehmen wir drei Vermögensbestandteile:
CHF 50’000 könnten als Sicherheitsreserve dienen.
CHF 150’000 könnten in vier Jahren für den Kauf einer Immobilie benötigt werden.
Weitere CHF 300’000 sind vielleicht langfristig für die Pensionierung vorgesehen.
Obwohl alle drei Beträge zum gleichen Vermögen gehören, sollten sie nicht zwingend gleich angelegt werden.
Je länger der Anlagehorizont, desto eher können zwischenzeitliche Wertschwankungen verkraftet werden. Bei Kapital, das zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt wird, spielt dagegen die Planungssicherheit eine grössere Rolle.
Danach folgt die Diversifikation: Statt das Vermögen von einzelnen Unternehmen, Ländern, Währungen oder Anlageklassen abhängig zu machen, wird das Risiko auf verschiedene Bereiche verteilt.
Die richtige Anlagestrategie beginnt deshalb nicht mit der Auswahl eines ETF oder Fonds, sondern mit einem Finanzplan.
7. Den Rückzug in die Schweiz schon beim Wegzug mitdenken
Ein häufiger Planungsfehler besteht darin, den Wegzug detailliert vorzubereiten – und den späteren Rückzug kaum.
Dabei können sich während fünf oder zehn Jahren im Ausland viele Dinge verändern.
Das Vermögen wächst. Vorsorgekapital kommt hinzu. Eine Immobilie wird vermietet. Kinder werden älter. Die berufliche Situation verändert sich. Vielleicht verschiebt sich auch der geplante Zeitpunkt der Rückkehr.
Deshalb sollte die Finanzplanung regelmässig eine einfache Frage beantworten:
«Was würde passieren, wenn ich in zwölf Monaten in die Schweiz zurückkehren würde?»
Wo würden Sie wohnen? Welche Liquidität wäre erforderlich? Was geschieht mit den Anlagen? Welche Versicherungen müssten angepasst werden? Was passiert mit der Immobilie? Und wie verändert sich die Steuerbelastung?
Wer diese Fragen früh beantwortet, muss später weniger Entscheidungen unter Zeitdruck treffen.
Der Finanzcheck für Schweizer im Ausland
Nehmen Sie sich einmal pro Jahr 15 Minuten und beantworten Sie folgende Fragen:
- Wie hoch ist meine tatsächliche Steuerbelastung während des Auslandseinsatzes?
- Wie gross ist meine effektive Steuerersparnis bei einer 3a-Einzahlung oder einem PK-Einkauf?
- Wie wird dieses zusätzliche Vorsorgekapital beim späteren Bezug voraussichtlich besteuert?
- Welche Leistungen erhalte ich bei Invalidität oder Tod bereits über meinen Arbeitgeber?
- Habe ich Versicherungslücken oder unnötige Doppelversicherungen?
- Was kostet mich meine Schweizer Immobilie nach Steuern, Unterhalt und allen weiteren Kosten tatsächlich?
- Passt die Laufzeit meiner Hypothek zu meinen möglichen Rückkehr- und Verkaufsplänen?
- Wie viel Liquidität benötige ich tatsächlich?
- Welches Kapital benötige ich in zwei, fünf oder zehn Jahren – und ist es entsprechend angelegt?
- Und passen Vorsorge, Steuern, Immobilien, Versicherungen und Anlagen als Ganzes zusammen?
Die einzelnen Fragen sind meistens nicht besonders kompliziert.
Die Herausforderung entsteht durch ihre Wechselwirkungen.
Eine gute Finanzplanung bedeutet nicht, möglichst viele Finanzprodukte abzuschliessen oder jede mögliche Steuerersparnis auszunutzen.
Manchmal ist eine zusätzliche Einzahlung sinnvoll. Manchmal ist es besser, darauf zu verzichten. Manchmal sollte eine Hypothek langfristig fixiert werden – und manchmal ist Flexibilität wichtiger. Und nicht jedes langfristig verfügbare Vermögen muss gleich investiert werden.
Entscheidend ist, dass diese Entscheidungen auf Basis der persönlichen Situation und nicht aufgrund allgemeiner Faustregeln getroffen werden.
Bei FINA betrachten wir deshalb Vorsorge, Steuern, Immobilien, Versicherungen und Vermögen gemeinsam.
Sie leben oder arbeiten im Ausland und möchten wissen, ob Ihre Finanzen optimal aufgestellt sind?
Eine finanzielle Standortbestimmung zeigt, welche Bereiche bereits gut geregelt sind, wo Optimierungspotenzial besteht – und insbesondere, welche Entscheidungen Sie besser treffen sollten, bevor Geld langfristig gebunden wird.